Entdeckungen im Wilden Westen der Alpen

27/11/2008

Entdeckungen im Wilden Westen der Alpen

Die Alpen – wer kennt sie nicht? Kennen wir sie wirklich? Vor Jahren berichtete die Zeitschrift „Berge“ über einsame Gebiete im italienisch-französischen Teil der Alpen. Wörtlich hieß es da: „Dort wo der Mensch eine jahrtausende alte Kulturlandschaft aufgegeben hat, erobert die Wildnis heute ihren Platz zurück. Nicht nur die Vegetation, auch die Tierwelt verwildert. Zuerst sind die Wildschweine wieder gekommen, verwildernde Haushunde schließen sich zu Rudeln zusammen und der Wolf ist vom Apennin her eingewandert. Wann kommt der Bär zurück?“

Paradox: Die wilden Alpen sind die am längsten von Menschen besiedelten und bewirtschafteten Gebiete des Gebirges. Die Almwirtschaft reicht in dieser Gegend wahrscheinlich bis 5000 vor Christi zurück. Hier wohnen weniger Menschen pro Quadratkilometer als in Alaska, ganze Seiten- und kleinere Alpentäler sind gänzlich verlassen. In vielen Dörfern und Weilern leben nur mehr eine Handvoll Menschen.

Machen wir uns also auf in die wilden Westalpen. In ein Land der Gegensätze. Vom Olivenbaum bis zur Alpenrose. Einsamkeit und feine Küche. 3000er und Meernähe.

Im Land der Troubadoure: Piemont, Mairatal

Beginnen wir mit dem Essen. Das Valle Maira gehört zur gleichen Provinz wie die Langhe, wo Barolo- und Barbaresco-Weine, weiße Trüffel und hauchdünne Teigwaren herkommen. Diese Nähe macht sich wohltuend bemerkbar, aber nicht in den Preisen. Probieren Sie doch den Dolcetto, einen Tischwein oder einen Barbera oder den Arneis, einen Weißwein. Die Weine passen bestens zum fünfgängigen Abend-Menü, das Maria Schneider im Centro Culturale Borgata in San Martino inferiore, serviert. Der Weiler liegt in 1.400 m Höhe. Das Centro wurde vom Monatafoner Andrea Schneider und seiner Frau Maria 1990 eröffnet und ist zum Paradebeispiel eines sanften Tourismus geworden. Maria sagt: „ Wir wollen eine Begegnungsstätte sein zwischen der städtischen und der Bergbauernkultur“. Übernachten kann man in den Steinzimmern, alle unterschiedlich in Form und Größe und Komfort. Ich liebe den Blick von Maria Schneiders Alpengarten auf die dicht bewaldeten Berge. Schmetterlinge umfächeln den Ruhenden. In der Nacht grollender Donner. Das Centro ist „posto tappa“ des Okzitanischen Rundweges“, eines  Wanderweges in zwölf Etappen. Der sanfte Wandertourismus bringt etwas Geld in dieses Tal, das eines der ärmsten Italiens ist – und war. Das Tal war so arm, dass die Menschen ihr Haar verkauften. Bis zum 2.Weltkrieg war es das Zentrum der Perückenmacher Europas. Apropos okzitanisch. Das Mairatal gehört zu diesem Kulturraum, der von Südfrankreich bis ins Piemont reicht. Okzitanisch war die Sprache der mittelalterlichen Troubadoure, Dante wollte seine „Göttliche Komödie“ ursprünglich in dieser Sprache schreiben.

30 000 Felsbilder aus der Bronzezeit im Tal der Wunder:
Frankreich, Parc de Mercantour

2872 Meter hoch ist der Mont Bégo. Rund um den Berg, dessen Name sowohl „Heiliger Berg“ als auch „Wohnort des Stiergottes“ bedeutet, findet sich eines der ausgedehntesten Felsbild-Areale der Erde. Die 30.000 Felszeichnungen sind in große Schiefer- und Sandsteinplatten geritzt. Die Menschen der Bronzezeit betrachteten den Berg als Schutzgott, der ihnen Wasser schickte und gleichzeitig fürchteten sie ihn, aufgrund der zahlreichen, teilweise sehr starken Gewitter. Gehörnte Tiergestalten, Waffen und Werkzeuge, Menschengestalten und geometrische Figuren sind die Themen der Felszeichnungen. Die meisten Gravuren liegen im „Tal der Wunder“ – ein grandioses Freilichtmuseum inmitten einer Hochgebirgslandschaft. Die oft schlecht erkennbaren oder schwer zugänglichen Felszeichnungen erkundet man am Besten mit einem Fremdenführer aus der Ortschaft Tende. In diesem Ort mit Häusern aus grünem und violettem Schiefer ist auch das Musée des Merveilles untergebracht. Das Museum hat zahlreiche Abgüsse ganzer Felsplatten und gilt als Europas bestes Felsbild-Museum.

Im höchsten Dorf Europas
 Frankreich, Queiras

An der italienischen Grenze liegt das abgeschiedene Queyras. Das Queyras hat ein außergewöhnliches Klima: Fast das ganze Jahr über ist der Himmel strahlend blau, Regen sind eine Seltenheit, es gibt kaum Nebel und aufgrund der Hochgebirgslage wird es nie drückend heiß. Die zahlreichen Sonnenuhren belegen, dass die Sonne rund 300 Tage im Jahr scheint. Holzbrunnen, Passionskreuze und Glockentürme aus Lärchenholz finden sich in großer Zahl. 2040 Meter hoch gelegen, ist St. Véran der höchste Ort Europas. Die aus Holz und Stein gebauten Berghöfe ziehen sich über eine Länge von 1 Kilometer einer Hochalm entlang. Jedes der sechs Viertel von St. Véran besitzt einen eigenen Holzbrunnen, ein Passionskreuz und einen Dorfbackofen. Auf der Sonnenuhr an der Ortskirche wird vom „höchsten Dorf, in dem Gottes Brot gegessen wird“, geschrieben. St. Véran eignet sich hervorragend als Ausgangspunkt von Wanderungen.

 

Anreise:

Piemont:/Mariatal Mit dem Auto über Turin nach Cuneo. Alle drei genannten Gebiete: Mit dem Flieger nach Nizza. Von Nizza sind sowohl Piemont als auch die französischen Alpengebiete sehr gut zu erreichen.

Buch-Tipps:

Unentbehrlich für den Alpenfahrer ist der große „Denzel“. Offiziell heißt er:  Der große Alpen Strassenführer, 22. Ausgabe, Denzel Verlag, Innsbruck 2005. Für Motorradfahrer gibt es die handliche Ausgabe „Motorradtouren – Die Westalpen. 46 Rundfahrten “.

Alles, was Sie schon immer über die Alpen wissen wollten & noch einiges mehr: Werner Bätzing, Die Alpen. Geschichte und Zukunft einer europäischen Kulturlandschaft, C.H. Beck 2003

Im italienischen Valle Maira lässt sich von April bis Oktober wandern. Ursula Bauer/Jürg Frischknecht haben mit „Antipasti und alte Wege“, Rotpunktverlag, Zürich 2004, den ultimativen kulturhistorischen Wanderführer geschrieben.

Kompetent und detailreich sind die „Grünen Michelin Reiseführer“. Unser Gebiet behandeln die  „Französische Alpen“ und „ Cote d´Azur, Französische Riviera“.


Steiermark Pferdetrekking

26/11/2008

Alpen Trekking in Steiermark

3 Tage mit Pferden 

 

 

 

Tel. 03865/3764