„Kulinarische Reisen“ durch die ganze Welt
NUN IST ZEIT FÜR EIN GLAS CHAMPAGNER….
Zum Start unserer Serie stellen wir den prickelnden Wein aus Frankreich vor – das globale Symbol für elegantes und überschäumendes Feiern. Die „Kulinarischen Reisen“ sind eine Melange aus Reisetipps und gastronomisch-önologischem Know-how. Viel Vergnügen!
Wo liegt die Champagne eigentlich?
Eine gute Autobahnstunde von Paris nach Osten und das nördlichste Weinbaugebiet Frankreichs ist erreicht. Reims, der Hauptort der Champagne, bietet sich als Standort für Ausflüge und Degustationen an. Besonders reizvoll sind die Kellereien von Charles Heidsick, Pommery, Ruinart, Taittinger und Veuve Cliquot in den Kalksteinbrüchen („Crayeères“) aus der Römerzeit. Mercier hat am Rande von Epernay einen riesigen unterirdischen Saal, der Teil eines 18km langen Stollens unter Kreidefelsen ist.
Das Besondere am Champagner
Champagner ist eine Mischung aus bis zu 100 Weinen verschiedenster Jahrgänge und Lagen. Es werden drei Sorten verwendet: Die roten Trauben Spätburgunder (Pinot Noir) und Schwarzriesling (Pinot Meunier) und der weiße Chardonnay. Pinot Noir gibt dem Champagner die Fülle, Pinot Meunier die Fruchtigkeit und die Finesse kommt vom Chardonnay. Die Reben wachsen auf einer Kreide/Lehm-Mischung, die über die Jahreszeiten als natürliche Klimanlage wirkt. Wegen der Klimaerwärmung findet die Ernte um bis zu 30 Tage früher als noch vor einer Generation statt. Der charakteristische Säuregehalt geht zurück.
Champaign is good biz
Alleine bei Siegesfeiern nach Autorennen werden…. 2007 wurden an die 327 Millionen Flaschen verkauft, der Umsatz beträgt 4,1 Milliarden Euro. In den Kellern lagern noch eine Milliarde Flaschen mit einem Wert zwischen 10 und 15 Milliarden Euro. Kurz: Champagner ist ein massenhaftes Luxusgut. Ghislain de Montgolfier, Präsident der Champagner-Weinbauern, meint dennoch, es stünden nicht genug Trauben zur Verfügung, um die weltweite Nachfrage zu befriedigen. Das Weinbaugebiet ist seit 1927 auf 34.000 Hektar begrenzt. Diskutiert wird eine Vergrößerung der Anbaufläche um 5000 bis 7000 Hektar. Das wäre eine Steigerung der Produktion um 15-20 %. Bis zu 40 zusätzliche Dörfer könnten ab 2009 Champagner produzieren. Für ein Hektar Reben werden 1,2 Mio € bezahlt, während ein Getreidefeld höchstens 7.000 € wert ist. Einige Bauern freuen sich schon auf ihren Champagner-Jackpot.
Die Champagner-Methode
beruht auf der Flaschengärung. Die Grundweine sind bereits ausgezeichnet, die Methode führt noch zu einer Verfeinerung. Um diese zweite Gärung zu ermöglichen, wird dem verschnittenen Grundwein Zucker und etwas Hefe beigegeben. Die Hefe verleiht dem Champagner sein Aroma. Die im Wein gelöste Kohlensäure, die das typische prickelnde Perlen hervorbringt, entsteht bei der zweiten Gärung in der Flasche. Nach der zweiten Gärung werden die Flaschen – Kopf voran – in einen Rüttelpult gesteckt, damit sich die Hefe im Flaschenhals absetzen kann. Sie wird nach zumindest 15monatiger Lagerung entfernt. Das ist die „traditionelle Methode“. Die Methode kann auch außerhalb der Champagne angewendet werden und das Endprodukt heißt dann Sekt. Laut EU-Markenrecht ist die Bezeichnung „Champagner“ allerdings mit der Herkunft der Trauben verbunden.
Die Geschmacksrichtungen
Vor der endgültigen Verkorkung wird dem Champagner eine Wein-Zuckerlösung, eventuell auch ein Schuss heller Weinbrand, zugeführt. Je nach Dosierung handelt es sich um einen trockenen – extra brut oder brut – oder einen lieblichen, sprich: süßlicheren – sec bzw. demi-sec – Champagner. Der Demi-Sec eignet sich bestens zu Desserts.
Der Champagner-Stil
Die jahrgangslosen Bruts – trockenen Champagner – bilden den Hauptteil der Produktion. Unabhängig von der Qualität einer Ernte wird Jahr für Jahr das unvergleichliche Geschmacksbild einer Marke durch den Verschnitt (Cuveé) zahlreicher Jahrgänge verschiedener Lagen und Reserveweine erzielt. Diese Bruts sind deutlich billiger als die Prestige-Produkte der Marken. Sie kennzeichnen den Stil eines Hauses.
Jahrgangs-Champagner
bestehen ausschließlich aus Weinen eines besonderen Jahrgangs. Jede Marke entscheidet für sich, ob ein Jahrgang als außergewöhnlich anzusehen ist. Robert Parker, der US-Weinpapst, favorisiert die Jahrgangschampagner 1990, 1995, 1996 und 2002. Für Hugh Johnson „war der 1996er perfekt. Auch der 1998er war ausgezeichnet“.
Blanc de Blanc und Rosé
sind weitere Varianten. Nur aus der weißen Chardonnay-Traube wird der leichte Blanc de Blanc erzeugt. Die Rosé haben einen kleinen Anteil von rotem Wein und sind „oft hinreißend fruchtig und fein“, wie der „Grosse Johnson“ vermerkt.
Einige Top-Marken – ihre Prestige-Produkte und ihre leistbaren Weine
Moet & Chandon (Èpernay, gegr. 1743, gehört LVMH)
Dom Pérignon ist einer der berühmtesten Champagner. Der 1996er gilt als legendär. Dom Pérignon war Kellermeister bei den Benediktinern und soll als erster verschiedene Lagen und Traubenqualitäten gemischt haben. Moet hat den größten Weinbergbesitz und ist wohl das meistverkaufendste Champagner-Haus.
O.J. : Brut Impérial, Brut Premier Cru. Kostenpflichtige Führungen nur nach Voranmeldung auch in Deutsch Tel +33-3-26512020, von April bis Mitte Nov täglich, 18 Av. De Champagne, Epernay
Veuve Cliquot ( Reims, gegr. 1772, gehört LVMH).
La Grande Dame nennt sich das Spitzenprodukt. Die 27-jährige Witwe Cliquot brachte Anfang des 19.Jh. den ersten Rosé-Champagner. Sie erfand die Rüttelung, damit die Hefeablagerungen in den Flaschenhals gelangen.
O.J.: Yellow Label.
P.S. Der Luxuskonzern LVMH führt noch etliche andere Marken wie Krug, Mercier, Ruinart . Besichtigung / Führungen auch in Deutsch: Tel. +33-3-26895390 oder email: visitscenter@veuve-cliquot.fr, Mo-Sa bzw. im Winterhalbjahr bis Fr, 1 place de Droits de l´Homme, Reims)
Taittinger ( Reims, gegr.1734, Familienbesitz)
Der Comtes de Champagne ist ein 100%iger Chardonnay Champagner.
O.J.: Brut Réserve, Brut Prestige Rosé. Keller-Führungen auch auf Deutsch und Englisch, im Sommmerhalbjahr täglich, Tel. +33-3-26858433, 9 place Saint-Nicaise, Reims)
Pol Roger (Èpernay, gegr. 1849, Familienbesitz)
Das Flaggschiff ist der Cuveé Sir Winston Churchill. Ein ausgezeichneter Aperitiv. „Nach dem Sieg verdienst du ihn, nach der Niederlage brauchst du ihn“, sagte Churchill – angeblich. O.J.: Pure, Rich, Brut Vintage. Kein Besuch für Privatpersonen..
Louis Roederer (Reims, gegr.1776, Familienbesitz)
Es heißt, Mafiapaten und Drogenbarone lieben gleichermaßen den Cuveé Cristal. Geschaffen erstmals 1876 für den russischen Zar Alexander II.
O.J.: Brut Premier. Besuch nur nach Vereinbarung: tel. +33-3-26404211, 21 bd.Lundy, Reims
Weniger bekannte Marken
wie Billecart-Salmon, Egly-Ouriet, Gaston Chiquet können guten bis tollen Champagner produzieren. Der Prestige-Champagner „Clos du Mesnil“ von Krug z.B. wird vom Fachmagazin „Wine Spectator“ mit 98 Punkten am höchsten von allen „Champies“ bewertet.
Kleine, eher unbekannte Häuser haben oft ein sehr gutes Preis-/Qualitätsverhältnis. Ein Tipp: Autréau (Champillon, gegr. 1670, Familienbesitz), Degustation tägl, am Wochenende mit Voranmeldung, 15 rue René Baudet, Champillon, Tel. +33-3-26594600, email: champagne.autreau@wanadoo.fr) . Die Champagne lädt zu Entdeckungsreisen ein…
Austern und Kaviar
„Wenn man die Wahl hat zwischen Austern und Champagner, so pflegt man sich in der Regel für beides zu entscheiden“, wusste schon der Schriftsteller Theodor Fontane. Nachfrage: Und wie hat es Fontane mit Kaviar gehalten?