BERLIN McPOMM

27/11/2008

 

Der Mann: „Die Welt ist ein Jammertal“.

Die Frau: „Nein, ein Garten der Freude“.

Der Mann: „Aber ich trage nicht die Schuld am Jammer der Welt“.

Die Frau:“ Lass´ uns nach Berlin fahren. Zum Club der polnischen Versager“.

 

Berlin also. Der Abend beginnt im „Grill Royal“ in der Friedrichstrasse. Austern mit klassischen Beilagen, japanisch-australisches Wagyu-Steak, Crème Brúleé. Die Gäste leben über ihre Verhältnisse. Oder sie haben Geld. Viele junge Künstler, denn Berlin ist die erste Kunstmetropole des 21. Jahrhunderts. 400 Galerien und 5.500 Künstler aus aller Welt, die sensationelle ( wie soll man sonst sagen) Museumsinsel, der (Ex-Luftschutz) Bunker des Sammlers Christian Boros (mit Dach-Penthouse) nach Voranmeldung in Berlin-Mitte. Ich sage Ihnen aus Erfahrung: Kunst ist eine Frage der Zeitökonomie: Freitagabends und ganztags-samstags die Galerien
( Contemporary Fine Arts, Schultz, Eigen+Art, Carlier/Gebauer, Aurel Scheibler, Johnen), ganztags-sonntags die Institutionen ( Ägyptisches Museum, Pergamon-Museum, Topographie des Terrors, Deutsches Guggenheim, Sammlung Berggruen). Art is so small.

 

Unter der Woche erhole ich mich von der Kunst bei Fast Food. Berlins beste Currywurst bei Konopke unter der U-Bahn-Station Eberswalder Strasse, Döner von Imren am Hohenstaufenplatz in Kreuzberg vor einer fundamentalistischen Moschee.

 

Berlin wird zu einer Modestadt. Die junge Modeszene in Berlin-Mitte ist längst international konkurrenzfähig. Neue Trends, Experimente, ungewöhnliche Accessoires und Objekte aus Metall, Filz, Acryl und recycelten Stoffen. Verrückte Schuhe, Taschen, Kopfbedeckungen und Schmuck. Kollektionen wie „Urban Speed“, „To die for“ oder „Glamourgirl“ produzieren Mode von Kopf bis Fuß. Concept Stores im 2. Hinterhof wie „Andreas Murkudis“ und Streetware für türkische Ghettokids wie „Picaldi“ zwischen der Fahrschule “Sükran” und dem Swingerclub “Zwanglos III”.

 

Unter der Woche erhole ich mich von der Mode in McPomm ( schreibt man Mecklenburg-Vorpommern). Auf der Seenplatte mit dem Schiff von Waren nach Malchow. Tolle Festpiele auf Schloss Ulrichshusen (Danke für die Karten mit guter Sicht in der 4.Reihe auf Meistercellist Mischa Maisky). Rauchaalfilet auf Rührei im Welshof „Zum Fischer Fritz“ in Faulenrost. Und weiter an die Ostsee in die Hansastadt Stralsund mit dem superneuen Ozeaneum und einem Pottwal in Originalgröße ( „Ganze 30 m lang“ hat mir der Greenpeace-Mann bei der Eröffnung gesagt).

 

ErRADfahren lässt sich Berliner Geschichte entlang der ehemaligen Mauer. 42 km von der Bornholmer Brücke (9.Nov.1989 – Mauer fällt / genau dort) bis in die Sonnenallee und West und Ost kommen wieder zusammen.

 

Der Mann: “Die polnischen Versager sind umgezogen. Das ist ein Jammer”.

Die Frau: „Von der Torstrasse in die Ackerstrasse. Das ist eine Freude.“

Der Mann:“ Viel Spaß an der Schadenfreude“.

Die Frau: “Gefördert von niemand“.

 

 

 

 

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Kasten:Top Five Berlin

 

Brandenburger Tor

East Side Gallery

Tscheckpoint Tscharlie

Hackesche Höfe

KaDeWe

 

 


NUN IST ZEIT FÜR EIN GLAS CHAMPAGNER….

27/11/2008

„Kulinarische Reisen“ durch die ganze Welt

NUN IST ZEIT FÜR EIN GLAS CHAMPAGNER….

Zum Start unserer Serie stellen wir den prickelnden Wein aus Frankreich vor – das globale Symbol für elegantes und überschäumendes Feiern. Die „Kulinarischen Reisen“ sind eine Melange aus Reisetipps und gastronomisch-önologischem Know-how. Viel Vergnügen!

 

Wo liegt die Champagne eigentlich?

Eine gute Autobahnstunde von Paris nach Osten und das nördlichste Weinbaugebiet Frankreichs ist erreicht. Reims, der Hauptort der Champagne, bietet sich als Standort für Ausflüge und Degustationen an. Besonders reizvoll sind die Kellereien von Charles Heidsick, Pommery, Ruinart, Taittinger und Veuve Cliquot in den Kalksteinbrüchen („Crayeères“) aus der Römerzeit. Mercier hat am Rande von Epernay einen riesigen unterirdischen Saal, der Teil eines 18km langen Stollens unter Kreidefelsen ist.

 

Das Besondere am Champagner

Champagner ist eine Mischung aus bis zu 100 Weinen verschiedenster Jahrgänge und Lagen. Es werden drei Sorten verwendet: Die roten Trauben Spätburgunder  (Pinot Noir) und Schwarzriesling (Pinot Meunier) und der weiße Chardonnay. Pinot Noir gibt dem Champagner die Fülle, Pinot Meunier die Fruchtigkeit und die Finesse kommt vom Chardonnay. Die Reben wachsen auf einer Kreide/Lehm-Mischung, die über die Jahreszeiten als natürliche Klimanlage wirkt. Wegen der Klimaerwärmung findet die Ernte um bis zu 30 Tage früher als noch vor einer Generation statt. Der charakteristische Säuregehalt geht zurück.

 

Champaign is good biz

Alleine bei Siegesfeiern nach Autorennen werden…. 2007 wurden an die 327 Millionen Flaschen verkauft, der Umsatz beträgt 4,1 Milliarden Euro. In den Kellern lagern noch eine Milliarde Flaschen mit einem Wert zwischen 10 und 15 Milliarden Euro. Kurz: Champagner ist ein massenhaftes Luxusgut. Ghislain de Montgolfier, Präsident der Champagner-Weinbauern, meint dennoch, es stünden nicht genug Trauben zur Verfügung, um die weltweite Nachfrage zu befriedigen. Das Weinbaugebiet ist seit 1927 auf 34.000 Hektar begrenzt. Diskutiert wird eine Vergrößerung der Anbaufläche um 5000 bis 7000 Hektar. Das wäre eine Steigerung der Produktion um 15-20 %. Bis zu 40 zusätzliche Dörfer könnten ab 2009 Champagner produzieren. Für ein Hektar Reben werden 1,2 Mio € bezahlt, während ein Getreidefeld höchstens 7.000 € wert ist. Einige Bauern freuen sich schon auf ihren Champagner-Jackpot.

 

Die Champagner-Methode

beruht auf der Flaschengärung. Die Grundweine sind bereits ausgezeichnet, die Methode führt noch zu einer Verfeinerung. Um diese zweite Gärung zu ermöglichen, wird dem verschnittenen Grundwein Zucker und etwas Hefe beigegeben. Die Hefe verleiht dem Champagner sein Aroma. Die im Wein gelöste Kohlensäure, die das typische prickelnde Perlen hervorbringt, entsteht bei der zweiten Gärung in der Flasche. Nach der zweiten Gärung werden die Flaschen – Kopf voran – in einen Rüttelpult gesteckt, damit sich die Hefe im Flaschenhals absetzen kann. Sie wird nach zumindest 15monatiger Lagerung entfernt. Das ist die „traditionelle Methode“. Die Methode kann auch außerhalb der Champagne angewendet werden und das Endprodukt heißt dann Sekt. Laut EU-Markenrecht ist die Bezeichnung „Champagner“ allerdings mit der Herkunft der Trauben verbunden.

 

Die Geschmacksrichtungen

Vor der endgültigen Verkorkung wird dem Champagner eine Wein-Zuckerlösung, eventuell auch ein Schuss heller Weinbrand, zugeführt. Je nach Dosierung handelt es sich um einen trockenen – extra brut oder brut – oder einen lieblichen, sprich: süßlicheren  – sec bzw. demi-sec – Champagner. Der Demi-Sec eignet sich bestens zu Desserts.

 

Der Champagner-Stil

Die jahrgangslosen Bruts – trockenen Champagner – bilden den Hauptteil der Produktion. Unabhängig von der Qualität einer Ernte wird Jahr für Jahr das unvergleichliche Geschmacksbild einer Marke durch den Verschnitt (Cuveé) zahlreicher Jahrgänge verschiedener Lagen und Reserveweine erzielt. Diese Bruts sind deutlich billiger als die Prestige-Produkte der Marken. Sie kennzeichnen den Stil eines Hauses.

 

Jahrgangs-Champagner

bestehen ausschließlich aus Weinen eines besonderen Jahrgangs. Jede Marke entscheidet für sich, ob ein Jahrgang als außergewöhnlich anzusehen ist. Robert Parker, der US-Weinpapst, favorisiert die Jahrgangschampagner 1990, 1995, 1996 und 2002. Für Hugh Johnson „war der 1996er perfekt. Auch der 1998er war ausgezeichnet“.

 

Blanc de Blanc und Rosé

sind weitere Varianten. Nur aus der weißen Chardonnay-Traube wird der leichte Blanc de Blanc erzeugt. Die Rosé haben einen kleinen Anteil von rotem Wein und sind „oft hinreißend fruchtig und fein“, wie der „Grosse Johnson“ vermerkt.

 

Einige Top-Marken – ihre Prestige-Produkte und ihre leistbaren Weine

 

Moet & Chandon (Èpernay, gegr. 1743, gehört LVMH)

Dom Pérignon ist einer der berühmtesten Champagner. Der 1996er gilt als legendär. Dom Pérignon war Kellermeister bei den Benediktinern und soll als erster verschiedene Lagen und Traubenqualitäten gemischt haben. Moet hat den größten Weinbergbesitz und ist wohl das meistverkaufendste Champagner-Haus.

O.J. : Brut Impérial, Brut Premier Cru. Kostenpflichtige Führungen nur nach Voranmeldung auch in Deutsch Tel +33-3-26512020, von April bis Mitte Nov täglich, 18 Av. De Champagne, Epernay

 

Veuve Cliquot ( Reims, gegr. 1772, gehört LVMH).

La Grande Dame nennt sich das Spitzenprodukt. Die 27-jährige Witwe Cliquot brachte Anfang des 19.Jh. den ersten Rosé-Champagner. Sie erfand die Rüttelung, damit die Hefeablagerungen in den Flaschenhals gelangen.

O.J.: Yellow Label.

P.S. Der Luxuskonzern LVMH führt noch etliche andere Marken wie Krug, Mercier, Ruinart . Besichtigung / Führungen auch in Deutsch: Tel. +33-3-26895390 oder email: visitscenter@veuve-cliquot.fr, Mo-Sa bzw. im Winterhalbjahr bis Fr, 1 place de Droits de l´Homme, Reims)

 

 

Taittinger ( Reims, gegr.1734, Familienbesitz)

Der Comtes de Champagne ist ein 100%iger Chardonnay Champagner.

 O.J.: Brut Réserve, Brut Prestige Rosé.  Keller-Führungen auch auf Deutsch und Englisch, im Sommmerhalbjahr täglich, Tel. +33-3-26858433, 9 place Saint-Nicaise, Reims)

 

Pol Roger (Èpernay, gegr. 1849, Familienbesitz)

Das Flaggschiff ist der Cuveé Sir Winston Churchill. Ein ausgezeichneter Aperitiv. „Nach dem Sieg verdienst du ihn, nach der Niederlage brauchst du ihn“, sagte Churchill – angeblich. O.J.: Pure, Rich, Brut Vintage. Kein Besuch für Privatpersonen..

 

Louis Roederer (Reims, gegr.1776, Familienbesitz)

Es heißt, Mafiapaten und Drogenbarone lieben gleichermaßen den Cuveé Cristal. Geschaffen erstmals 1876 für den russischen Zar Alexander II.

O.J.: Brut Premier. Besuch nur nach Vereinbarung: tel. +33-3-26404211, 21 bd.Lundy, Reims

 

Weniger bekannte Marken

wie Billecart-Salmon, Egly-Ouriet, Gaston Chiquet können guten bis tollen Champagner produzieren. Der Prestige-Champagner „Clos du Mesnil“ von Krug z.B. wird vom Fachmagazin  „Wine Spectator“ mit 98 Punkten am höchsten von allen „Champies“ bewertet.

Kleine, eher unbekannte Häuser haben oft ein sehr gutes Preis-/Qualitätsverhältnis. Ein Tipp: Autréau (Champillon, gegr. 1670, Familienbesitz), Degustation tägl, am Wochenende mit Voranmeldung, 15 rue René Baudet, Champillon, Tel. +33-3-26594600, email: champagne.autreau@wanadoo.fr) . Die Champagne lädt zu Entdeckungsreisen ein…

 

Austern und Kaviar

„Wenn man die Wahl hat zwischen Austern und Champagner, so pflegt man sich in der Regel für beides zu entscheiden“, wusste schon der Schriftsteller Theodor Fontane. Nachfrage: Und wie hat es Fontane mit Kaviar gehalten?

 

 



Entdeckungen im Wilden Westen der Alpen

27/11/2008

Entdeckungen im Wilden Westen der Alpen

Die Alpen – wer kennt sie nicht? Kennen wir sie wirklich? Vor Jahren berichtete die Zeitschrift „Berge“ über einsame Gebiete im italienisch-französischen Teil der Alpen. Wörtlich hieß es da: „Dort wo der Mensch eine jahrtausende alte Kulturlandschaft aufgegeben hat, erobert die Wildnis heute ihren Platz zurück. Nicht nur die Vegetation, auch die Tierwelt verwildert. Zuerst sind die Wildschweine wieder gekommen, verwildernde Haushunde schließen sich zu Rudeln zusammen und der Wolf ist vom Apennin her eingewandert. Wann kommt der Bär zurück?“

Paradox: Die wilden Alpen sind die am längsten von Menschen besiedelten und bewirtschafteten Gebiete des Gebirges. Die Almwirtschaft reicht in dieser Gegend wahrscheinlich bis 5000 vor Christi zurück. Hier wohnen weniger Menschen pro Quadratkilometer als in Alaska, ganze Seiten- und kleinere Alpentäler sind gänzlich verlassen. In vielen Dörfern und Weilern leben nur mehr eine Handvoll Menschen.

Machen wir uns also auf in die wilden Westalpen. In ein Land der Gegensätze. Vom Olivenbaum bis zur Alpenrose. Einsamkeit und feine Küche. 3000er und Meernähe.

Im Land der Troubadoure: Piemont, Mairatal

Beginnen wir mit dem Essen. Das Valle Maira gehört zur gleichen Provinz wie die Langhe, wo Barolo- und Barbaresco-Weine, weiße Trüffel und hauchdünne Teigwaren herkommen. Diese Nähe macht sich wohltuend bemerkbar, aber nicht in den Preisen. Probieren Sie doch den Dolcetto, einen Tischwein oder einen Barbera oder den Arneis, einen Weißwein. Die Weine passen bestens zum fünfgängigen Abend-Menü, das Maria Schneider im Centro Culturale Borgata in San Martino inferiore, serviert. Der Weiler liegt in 1.400 m Höhe. Das Centro wurde vom Monatafoner Andrea Schneider und seiner Frau Maria 1990 eröffnet und ist zum Paradebeispiel eines sanften Tourismus geworden. Maria sagt: „ Wir wollen eine Begegnungsstätte sein zwischen der städtischen und der Bergbauernkultur“. Übernachten kann man in den Steinzimmern, alle unterschiedlich in Form und Größe und Komfort. Ich liebe den Blick von Maria Schneiders Alpengarten auf die dicht bewaldeten Berge. Schmetterlinge umfächeln den Ruhenden. In der Nacht grollender Donner. Das Centro ist „posto tappa“ des Okzitanischen Rundweges“, eines  Wanderweges in zwölf Etappen. Der sanfte Wandertourismus bringt etwas Geld in dieses Tal, das eines der ärmsten Italiens ist – und war. Das Tal war so arm, dass die Menschen ihr Haar verkauften. Bis zum 2.Weltkrieg war es das Zentrum der Perückenmacher Europas. Apropos okzitanisch. Das Mairatal gehört zu diesem Kulturraum, der von Südfrankreich bis ins Piemont reicht. Okzitanisch war die Sprache der mittelalterlichen Troubadoure, Dante wollte seine „Göttliche Komödie“ ursprünglich in dieser Sprache schreiben.

30 000 Felsbilder aus der Bronzezeit im Tal der Wunder:
Frankreich, Parc de Mercantour

2872 Meter hoch ist der Mont Bégo. Rund um den Berg, dessen Name sowohl „Heiliger Berg“ als auch „Wohnort des Stiergottes“ bedeutet, findet sich eines der ausgedehntesten Felsbild-Areale der Erde. Die 30.000 Felszeichnungen sind in große Schiefer- und Sandsteinplatten geritzt. Die Menschen der Bronzezeit betrachteten den Berg als Schutzgott, der ihnen Wasser schickte und gleichzeitig fürchteten sie ihn, aufgrund der zahlreichen, teilweise sehr starken Gewitter. Gehörnte Tiergestalten, Waffen und Werkzeuge, Menschengestalten und geometrische Figuren sind die Themen der Felszeichnungen. Die meisten Gravuren liegen im „Tal der Wunder“ – ein grandioses Freilichtmuseum inmitten einer Hochgebirgslandschaft. Die oft schlecht erkennbaren oder schwer zugänglichen Felszeichnungen erkundet man am Besten mit einem Fremdenführer aus der Ortschaft Tende. In diesem Ort mit Häusern aus grünem und violettem Schiefer ist auch das Musée des Merveilles untergebracht. Das Museum hat zahlreiche Abgüsse ganzer Felsplatten und gilt als Europas bestes Felsbild-Museum.

Im höchsten Dorf Europas
 Frankreich, Queiras

An der italienischen Grenze liegt das abgeschiedene Queyras. Das Queyras hat ein außergewöhnliches Klima: Fast das ganze Jahr über ist der Himmel strahlend blau, Regen sind eine Seltenheit, es gibt kaum Nebel und aufgrund der Hochgebirgslage wird es nie drückend heiß. Die zahlreichen Sonnenuhren belegen, dass die Sonne rund 300 Tage im Jahr scheint. Holzbrunnen, Passionskreuze und Glockentürme aus Lärchenholz finden sich in großer Zahl. 2040 Meter hoch gelegen, ist St. Véran der höchste Ort Europas. Die aus Holz und Stein gebauten Berghöfe ziehen sich über eine Länge von 1 Kilometer einer Hochalm entlang. Jedes der sechs Viertel von St. Véran besitzt einen eigenen Holzbrunnen, ein Passionskreuz und einen Dorfbackofen. Auf der Sonnenuhr an der Ortskirche wird vom „höchsten Dorf, in dem Gottes Brot gegessen wird“, geschrieben. St. Véran eignet sich hervorragend als Ausgangspunkt von Wanderungen.

 

Anreise:

Piemont:/Mariatal Mit dem Auto über Turin nach Cuneo. Alle drei genannten Gebiete: Mit dem Flieger nach Nizza. Von Nizza sind sowohl Piemont als auch die französischen Alpengebiete sehr gut zu erreichen.

Buch-Tipps:

Unentbehrlich für den Alpenfahrer ist der große „Denzel“. Offiziell heißt er:  Der große Alpen Strassenführer, 22. Ausgabe, Denzel Verlag, Innsbruck 2005. Für Motorradfahrer gibt es die handliche Ausgabe „Motorradtouren – Die Westalpen. 46 Rundfahrten “.

Alles, was Sie schon immer über die Alpen wissen wollten & noch einiges mehr: Werner Bätzing, Die Alpen. Geschichte und Zukunft einer europäischen Kulturlandschaft, C.H. Beck 2003

Im italienischen Valle Maira lässt sich von April bis Oktober wandern. Ursula Bauer/Jürg Frischknecht haben mit „Antipasti und alte Wege“, Rotpunktverlag, Zürich 2004, den ultimativen kulturhistorischen Wanderführer geschrieben.

Kompetent und detailreich sind die „Grünen Michelin Reiseführer“. Unser Gebiet behandeln die  „Französische Alpen“ und „ Cote d´Azur, Französische Riviera“.


Der Maler Raffael, Valentino Rossi und die Trüffeln

27/11/2008

Der Maler Raffael, Valentino Rossi und die Trüffeln

Impressionen aus den mittelitalienischen Marken

 

Was haben Valentino „The Doctor“ Rossi, der 7fache Motorrad-Weltmeister und der 500 Jahre früher geborene Madonnen-Maler Raffael gemeinsam? Beide stammen aus der Renaissancestadt Urbino, die 1998 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Die Gebäude bestehen aus honigfarbenen Backsteinen. Die Stadt verteilt sich über zwei steile Hügel. Daher überall Treppen. Treppen rauf, Treppen runter. Urbino gilt als Idealstadt der Renaissance. Im Mittelpunkt des Städtebaus steht der reale Mensch als Maß der Stadtgestaltung. Das Zentrum der Stadt bildet die Piazza della Repubblica, von ihr geht alles aus, von dort geht man in die anderen Teile der Stadt und kehrt am Abend wieder ins Caffé Centrale oder in ein anderes der belebten Cafe´s zurück. Nach Besichtigung des grandiosen Herzogspalast, des Palazzo Ducale, steil hinauf zum Geburtshaus Raffaels. Montefeltro heißt die Gegend um Urbino, nach dem Herzog, der Urbino anlegen ließ. Das Montefeltro ist Kurve an Kurve, hochschaubahnartige Strassenverläufe. Man beginnt zu ahnen, wo und wie sich Valentino Rossi seine Fahrkünste antrainiert hat.

 

Urbino – wo liegt das überhaupt? Die Region „Marken“ gehört zu Mittelitalien und zählt selbst bei Italienern als Geheimtipp. Die Marken liegen zwischen Adria und Apennin und bieten „Italianitá“ in Reinkultur: Lebendige Kleinstädte auf sanften Hügeln, Kunst und Kultur, dolce far niente, Mode und Meer, landwirtschaftliche Produkte hoher Qualität, daher bestes Essen und Trinken.

 

Der Trüffelkalender von Acqualagna: Die weiße Trüffel vom 1. Oktober bis 31. Dezember, die wertvolle schwarze Trüffel vom 1. Dezember bis 15. März, die weißliche Trüffel vom 15. Jänner bis 30. April, die schwarze Sommertrüffel vom
1. Mai bis 31. Dezember. Acqualagna ist die Hauptstadt der Trüffel. Zur nationalen Trüffelmesse Ende Oktober/Anfang November ( der Messetermin 2006: Vom 29. Oktober bis 12. November) .kommen an die 80.000 Besucher in den 4.000 –Einwohner-Ort. Zwei Drittel der italienischen Trüffel-Produktion werden in und um Acqualagna umgesetzt und gehen überwiegend in den Export. Die Gegend hier ist nicht nur Trüffel-, sondern auch Wildschwein-Land. Trüffel, Trüffelolivenöl, Trüffelbutter,Trüffelstreichkäse, Trüffelaufstriche für Crostini und Bruschetta, Wildscheinschinken, Wildschweinsalami.

 

Städte auf Hügeln,Hügel an Hügel wie sanfte Riesenwellen, Felder in Gelb-, Beige- und Brauntönen, Pinien, Zypressen, Olivenhaine. Die Lehm- und Kalkböden der märkischen Hügel zwischen Adria und Apenninn sind gut für den Weinbau. Der fruchtige Weßwein Biancello di Metauro und der Falerio dei Colli Ascolani zu Vorspeisen und Fisch. Der bekannteste Marken-Weißwein: Verdiccio dei Castelli di Jesi. Kräftige, trockene Rotweine sind der Rosso Conero und der Rosso Piceno Gut zu Pasta und Fleisch, zu Wild, Lamm und Käse.

 

Die Marken waren bis 1860 Teil des Kirchenstaates. Der Adel ist noch immer sehr stark vertreten. Die Marken sind ein Land der ungewöhnlich lebendigen Kleinstadtkultur, es herrscht ein intaktes urbanes Leben, in dem sich Tradition und Moderne auf originelle Weise verbinden. Die Vorteile des urbanen Lebens lassen sich ohne seine Mängel genießen. Überall finden beachtenswerte kulturelle Aktivitäten statt, die märkischen Kleinstädte sind Muster an Lebensqualität.

Die Marken haben wahrscheinlich die größte Theaterdichte der Erde – 70 voll eingerichtete Theater aus dem 19. Jahrhundert mit roten Plüschsitzen, vergoldeten Ballustraden, guter Akustik für 1,4 Millionen Einwohner.

 

Factory Outlet – Shopping entwickelt sich in der Gegend um Civitanova und Sant ´Elpidio a Mare. Italienische Schuhmarken wie Tod´s lassen hier produzieren, genauso wie Gucci und Armani. In zahlreichen Outlets gibt es günstig Markenschuhe und gehobene Mode.

 

Chi po non vo. Chi vo non po. Chi sa non fa. Chi fa non sa. Wer kann, will nicht. Wer will, kann nicht. Wer weiß, handelt nicht. Wer handelt, weiß nichts. So lautet eine Inschrift aus dem 15. Jahrhundert in Ascoli Piceno in der Via Lunga Nr. 19. Und die Inschrift weiter: Und deshalb geht es in der Welt schlecht zu. Et cosi el mundo mal va. Überhaupt Ascoli Piceno! Vielleicht einer der schönsten Hauptplätze Italiens mit seiner Piazza del Popolo. Ein öffentlicher Salon – salotto genannt –  mit spiegelnden Travertinboden, Arkaden vor den Geschäften als Schutz vor den Unbilden des Wetters und Schauplatz der abendlichen passegiata bei der die Askolaner in Kleingruppen auf- und abschlendern. An der Piazza Arringo liegt das Rathaus mit dem Provinzmuseum. Überraschender Österreichbezug: Im Museum finden sich zahlreiche Werke des in Göttweig geborenen, 1497 in Ascoli verstorbenen Malers Pietro Alemanno.

 

Den ganzen Juli über ist Antiquitätenmesse in Pennabilli, ein verstecktes Kleinstädtchen im Hinterland von Urbino. Der Weltbestseller-Autor Umberto Eco hat dort in der Gegend ein Haus, in der Bischofsstadt selbst hat der Schriftsteller und Drehbuchautor von Fellini-Filmen tonino Guerra poetische Orte angelegt. „Den Garten der vergessenen Früchte, die Zuflucht der verlassenen Madonnen, das Schneckenportal, die Sonnenuhr der Begegnung, das Heiligtum der Gedanken“. Das Projekt der poetischen Orte ist dem guten Leben gewidmet – so wie Marken überhaupt ?

 

TIPPS:

 

Urbino:

Übernachten:

Hotel Bonconte in einem Palazzo an der Stadtmauer mit Blick über die Hügel und Parkplatz vorm Eingang. Kleine Zimmer. Via delle Mura 28, Tel. + 39 0722 – 2463 / Fax + 39 0722  - 4782. www.viphotels.it

 

Essen:

„Vecchia Urbino“: Via Vasari 3/5. Urbinos Spitzenrestaurant.

„Al Girarrosto“: Piazza San Francesco 3. Gegrilltes draußen auf der Piazza.

 

Ascoli Piceno:

Übernachten:

Palazzo Guiderocci direkt im Zentrum. Komplett neu renovierter Palast mit sehr schönen, riesigen Zimmern. Garage in Nähe. Via Cesare Battisti 3. Tel +39 0736 244011 / Fax + 39 0736 243441. www.palazzoguiderocchi.com

Essen:

„Enoteca Migliori“: Piazza Arrigo 2. Feinkostladen, Vinothek und Mini-Ristorante.Gustieren, probieren, kosten. Wunderbare frittierte „Olive Ascolani“, die mit Fleisch und Käse gefüllten Oliven.

„Del Corso“: Corso Mazzini 277-279. Slow Food-Lokal mit Ausrichtung auf Fischen.RT:Mo

„Trattoria da Middio“:Via delle Canterine 53, Slow Food-Lokal mit bodenständiger Küche.RT: So,Mo

„Caffé Meletti“: Jugendstilcafé an der Piazza del Popolo.

 

Acqualagna

 

Die Trüffelhauptstadt hat ihre Infos unter www.acqualagna.com . Allerdings nur in italienisch.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Von der Republik Kugelmugel nach Whangamomona – Reisen im Archipel der Mikronationen

27/11/2008

Von der Republik Kugelmugel nach Whangamomona – Reisen im Archipel der Mikronationen

Sie waren schon überall? Sie kennen schon alle 192 von den Vereinten Nationen anerkannte Staaten? Dann darf ich Sie heute zu wirklich exotischen Plätzen entführen – in das Fürstentum Seeland, die Grafschaft Caux, Whangamomona, die nördlichen Knödel-Inseln oder die Republik Kugelmugel. Es ist ein Archipel selbsternannter Staaten, offener Eitelkeiten und versteckter Geschäftemacherei, gekränkter Visionäre, seltener Briefmarken und Währungen. Exotik pur.

Der Sager „Vorarlberg ist too small for me“ hat ja schon Sprichwort-Charakter. Ich halte dagegen: „Vorarlberg ist too large for me“. Schauen wir uns deshalb in diesem Sommer gemeinsam Mikronationen an. Der grandiose Musiker Frank Zappa hat einmal gemeint, richtige Staaten hätten ein eigenes Bier und eine eigene Fluglinie – hilfreich sei auch ein Fußballteam, Nuklearwaffen könnten nicht schaden, aber das wichtigste sei ein eigenes Bier. Schauen wir einmal, ob die für Österreicher nahe gelegene Republik Kugelmugel Zappas Kriterien erfüllt.

Die Kugel ruht auf der Mugel – die Republik Kugelmugel

Die Kugel besteht aus braunen Holzfertigteilen, hat einen Durchmesser von 7,68 Metern, ruht auf einem Mugel, hat kein Hotel oder Restaurant und daher gibt’s auch kein Bier. Das bekommt man nur im feindlichen Ausland, z.B. im nahe gelegenen Schweizerhaus im Wiener Prater. Der einzige Bewohner von Kugelmugel, der sich aber selten blicken lässt, ist Generalvolksanwalt und Präsident seiner Republik und gleichzeitig deren Hofmaler. Amtssprache ist Deutsch und die Hauptstadt heißt ebenfalls Kugelmugel.

Das Königreich Elleore – die älteste Mikro-Nation

König Leo III herrscht über 263 Bürger, die Währung heißt leo d´or, eine von Numismatikern weltweit gesuchte Währung. Das Königreich ist nur einmal im Jahr während der „Elleorian Woche“ erreichbar, aber Sie können mit der dänischen Sagafjord-Fähre am Königreich vorbeifahren. Landen dürfen nur Bürger von Elleore. Um Bürger von Elleore zu werden haben Sie zwei Möglichkeiten:

Sie müssen zwölf Jahre alt sein und in die private Kildegaard-Schule gehen, einen Einführungskurs in die Kultur von Elleore machen und dann wird man Sie fragen, ob Sie ein Bürger von Elleore werden möchten oder nicht. Es gibt allerdings noch einen zweiten Weg: Die Empfehlung von zwei Bürgern von Elleore. Sie haben die Wahl….

Das Königreich ist übrigens die Älteste der Mikronationen, es wurde 1944 gegründet.

 

 

Think global buy local –  Die Freistadt Christiania

Mit 1.000 Einwohnern ist Christiania eine der größten Mikro-Nationen. Es wurde 1971 gegründet und beansprucht 320.000m² in Kopenhagen (Dänemark). Christiania ist bekannt als „Amsterdam von Skandinavien“. Christiania lebt vom Tourismus und ist in Kopenhagen über die U-Bahn-Station Christianshavn leicht zu erreichen. Positiv: Sie brauchen kein Einreisevisum.

Dieses Whangamomona, wo liegt das jetzt genau?

Ziemlich genau vis-a-vis von Österreich auf Neuseelands Nordinsel bei Stratford. Negativ: Sie brauchen einen Pass um drei Neuseeland-Dollar, denn die W-Grenzer sind bekannt für ihre Treffsicherheit mit Wasserpistolen. Manche Orte üben aufgrund ihrer Wortmalerei, ihres Sprachklangs enorme Anziehungskraft aus. Lassen Sie doch das Wort „Whangamomona“ auf der Zunge zergehen….Die Zappa-Kriterien sind übrigens bezüglich des Biers erfüllt. Die Whanga Burgers kann ich auch nur empfehlen und „Republic Day“ im Jahr 2009, das größte Fest der Rugby-vernarrten Nation. Fahren Sie doch hin, denn wie Präsident „Murtle the Turtel“ (keine Verwandtschaft mit Österreichs bekanntesten Baumeister!) in seiner Antrittsrede so schön sagte: „ Wir wollen keine Touristen, sondern aufregende Menschen, aber auch die nicht zuviel“. Viel Spaß!

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Factbox:

Mikronationen – Wikipedia-Definition:

Als Mikronationen werden Gebilde bezeichnet, die wie eigenständige souveräne Staaten auftreten und den Anschein erwecken, mit staatlicher Autorität zu handeln, obwohl bei Ihnen Eigenschaften fehlen oder wenigstens stark umstritten sind, die einen Staat nach Völkerrecht ausmachen.

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Belgien: 300, 500, 1000 verschiedene Biere

27/11/2008

 

gibt´s in Belgien. Die Zahlen variieren. Wie auch immer: Belgien hat eine fabelhafte Bierkultur. Und diese wollen wir auf unserer „Kulinarischen Reise“ erforschen.

 

Belgien ist Bierland. Belgien ist für viele Bierkenner ein Paradies. In Belgien trinkt jeder Bier – egal ob Frau oder Mann. Biertrinken ist einfach salonfähig. Herb, bitter, süß, sauer, würzig – die Vielfalt an Sorten ist überwältigend. Bier ist in der Flasche gereift oder im Fass, mit Korken, mit Zutaten wie Kirschen, Gewürzen, Kräutern, Honig. Es gibt das Champagnerbier Deus und Champagner mit Eau de Vie de Fleur de Biere. Die Flaschen haben die vielfältigsten Formen – von klassisch bis absonderlich. Welches Glas passt zu welchem Bier?  - das ist nicht einmal für Bier-Wissenschafter durchschaubar.

 

Lambic-Bier aus Breughel´s Pajottenland

Unsere „Kulinarische Reise“ lässt sich gut in Wien starten – im Kunsthistorischen Museum bei den Breughel´s. Auf den Bildern trinken die Bauern Lambic. Die Bilder der Malerdynastie vermitteln die typischen Farben und Formen der Hügel, Felder und Kirchtürme der flämischen Landschaft südwestlich von Brüssel. Aus dem Pajottenland  kommt das Lambic, ein Bier aus Gerste, Weizen und mehrjährigen Hopfen – ohne Hefe spontan gegärt. Lambic: Die Bier-Spezialität aus dem Großraum Brüssel. Werden alte und junge Lambic-Biere gemischt und in Champagnerflaschen abgefüllt, heißen sie Gueuze und schmecken leicht säuerlich. Legt der Brauer mehrere Monate Kirschen in dunkles Lambic, dann wird daraus das fruchtig-kernige Kriek. Als Leichtbier, gesüßt mit Zuckersirup, heißt es Faro.

 

Brauereien im Pajottenland:

Lindemans, De Neve (Interbrew), Eylenbosch (Mort Subite), De Troch, Girardin, Timmermans (Itterbeek, Kerkstraat 11, 02/ 569 03 57 offen täglich nach Voranmeldung) 

 

Lambic Cafes und Lokale:

In Beersel ist das Drie Fonteinen (3 Herman Teirlickplan, 10.30 – 23h außer Di + Mi, T 02 331 0652) DER Tipp. Das Bierhuis Oud Beersel ( 228 Laarheidestraat, Di zu, ab 10 h ) gehört zur gleichnamigen Brauerei, 1 km vom Ortszentrum. Sehenswert. Sint-Anna-Pede ist das Dorf, das Breughel in der Parabel der Blinden malte. In Schepdaal ist das Gasthaus Rare Vos ( 22 Marktplein, ab 10.30h außer Di + Mi) rare Girardin Biere und deftiges Essen bis 22h. In Itterbeek gibt’s noch das Lokal De Ster ( 169 Herdebeekstraat), in dem schon Breughel gegessen hat. In Wambeek das Lambic Café Bij Germaine in den Esseleer (69 Langestraat). In Gooik das Den Haas (6 Wijngaardbosstraat, T 054.33.45.98) mit seinen 80 Bieren.

 

Trappistenbiere

Achel. Chimay.Orval.Rochefort. Westmalle.Westvleteren. So heissen die Trappistenbiere. Die Erzeugung muss in den Gebäuden der Klöster erfolgen und von den Mönchen direkt beaufsichtigt werden. Chimay sind die meistverkauftesten, Westvleteren wird nur in geringen Mengen erzeugt.

 

Wo geht’s zum  plötzlichen Tod?

Fragen sie doch in der Nähe des Bahnhofs oder des Großen Platzes nach dem  „A La Mort Subite“ und jeder wird Ihnen den Weg zu dieser Brasserie zeigen können. Eine Brüsseler Jugendstil-Institution für Bierverkoster und Touristen in der rue Montagne-aux-Herbes Potagères 7. Vom Abteibier zum Trappistenbier vom Faß, vom Lambic zum hauseigenen Kirsch-, Himbeer-, Pfirsich- und Cassisbier.

2.000 Biere aus aller Welt und 500 Schnäpse in einer bibeldicken Karte – das kann nur das Delirium sein ( deliriumcafe.be; Impasse de la Fidilete 4 A, gleich beim „Freßgässchen“ Rue des Bouchers). In der Nähe des „Großen Platzes“ ist  das
Café Becasse ( 11 Rue Tabora), spezialisiert auf Timmermans´Lambic. Abseits vom Touristenstrom liegt „Le Bier Circus „ ( 89 Rue de l´Einseignement, 12-14.30, ab 18h, Sa und So zu, M.Madou ) mit seinen 200 Bieren auf der Karte. Hier bekommt man auch das rare Westvleteren Trappistenbier. Zageman (eröffnet 1991) nennt sich der „Palast der Gueuze Trinker“: 116 rue de Laeken (bei rue du canal), Mo-Fr 11-20). Brasserie Verschueren, 11-13 Parvis Saint-Gilles, Moeder Lambic in 68 Rue de Savoie,  

 

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Kasten: Bierspezialitäten kaufen

Belgiens größte Supermarkt-Kette Delhaize führt eine gute Auswahl an belgischen Spezialbieren zu fairen Preisen. Das Unternehmen hat 150.000 Beschäftigte in 3 Kontinenten, ist in Brüssel und New York an der Börse notiert und von S & P BBB- geratet.

Das Beer Mania ( 174-176 Chaussée de Wavre, Mo-Sa 11- 21h) ist das Top- Bier-Spezialgeschäft in Brüssel und führt Leffe, Verhaege, Westmalle Brune, Geuze, Maes, Blanche de Dentergem, de Koninck und weitere 393 Biere.

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Kasten: 3 – 5-gängige Biermenüs

serviert das Restaurant „ Den Dijver „ in Brügge ( Den Dijver 5, www. dijver.be ).

Bier als Aperitiv, Speisen, gekocht mit Spezialbieren, dazu abgestimmte Bierspezialitäten. Ein Erlebnis.

In der Nähe des Brüsseler Flohmarkts zwischen Rue Haute und Rue Blaes ist das Restobierès ( Rue des Renards 32, mittags von Di-Sa, Fr und Sa auch abends, restobiers.com). La Rose Blanche (Grand Place 11), Spinnekopke (Place du Jardin-aux-Fleurs 1), La Villette ( rue Vieeux Marché aux Grains 3, 12-14.30, 18.30-22.30 , Sa abend und So zu).

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Die Cantillon Lambic-Gueuze Brauerei beim Gare du Midi ist Mo-Fr 9-17, Sa 10-17h geöffnet (cantillon.be, Rue Gheude 56, M: Clémenceau) Geführte Touren jeden Sa um 11h, 14h und 15.30h.

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Besten belgische Biere (Bulletin-Ranking):

Gueuze: Girardin

Lambic: Lindemans „Cuvée René”

Kriek: Verhaeghe

Braunbier: Westmalle Brune

Rotbier: Rodenbach Grand Cru

Helles: De Koninck Blond

Starkes Helles: Lucifer

Helles obergäriges = Ale: De Koninck

Weißbier: Blanche de Dentergem

Pils: Maes

Trappisten: Orval

 

 

 

 

 

 

 


Brüssel – Hauptstadt Europas

27/11/2008

Am 16.April 1782 veränderte ein Österreicher Brüssel ganz entscheidend: Kaiser Joseph II befahl an diesem Tag die Schleifung aller Befestigungsanlagen und Stadtmauern. Das moderne Brüssel konnte entstehen…Heute ist Brüssel ein quirliges Gemisch von EU-Bürokraten aus 25 Ländern, Flamen, Wallonen, Nordafrikanern und Kongolesen aus der früheren Kolonie im Matongé-Viertel. Die beste Übersicht auf die Stadt kriegen Sie aus 150 m Höhe vom Aerophile, dem größten Fesselballon der Welt (tägl 9 – 19h, nur bei gutem Wetter und das ist selten).

Wo: Am Ausgang des Boulevard Roi Albert II, im Espace Gaucheret neben dem Nordbahnhof. Tel. 02/ 201 30 30.

 

SHOPPEN:

 

Belgische Designer

gibt´s in der Rue Antoine Dansaert  bei der Börse. Im „Stijl“ (Nr. 74) die neuesten Klamotten der Antwerpener 6: Dirk Bikkembergs, Ann Demeulemeester, Dirk van Saene, Dries van Noten, Martin Margiela und natürlich auch vom wilden, wilden Walter van Beirendonck. Schauen Sie auch in die Rue de Riches Claires.

 

Chinesische Mode

und Porzellan aus der Mongolei in der Compagnie de l ´Orient et de la Chine: 1A, Place Stephanie gleich bei der unteren Av. Louise.  

 

Ausgestopfte Schimpansenköpfe neben Guaven

Das Viertel der Kongolesen heißt Matongé , liegt zwischen der Chaussée d´Ixelles, dem Chaussée de Wavre und der Avenue Louise und erspart einen Flug ins Herz Afrikas. Die aktuellen Musikstars aus Zentralafrika auf CD im Musicanova : 24, Galerie d´Ixelles.

 

300 Biere

und mehr gibt´s in Belgien. Belgien hat eine fabelhafte Bierkultur.  Das Beer Mania
( 174-176 Chaussée de Wavre ) ist ein Bier-Spezialgeschäft und führt Leffe, Verhaege, Westmalle Brune, Geuze, Maes, Blanche de Dentergem, de Koninck und fast alle weiteren 293 Biere.

 

Kunstbuch-Sammler

werden ziemlich glücklich sein und gar nicht mehr weiterwollen. Posada Art Books (29, rue de la Madeleine) hat nämlich ein umfangreiches Angebot deutscher Kunstbücher.

 

Männermode höchster Qualität

bietet Beaumonde (22, Av. De Celtes bei Merode). Kein Designer-Schnick-Schnack, sondern Marken für Kenner. Etwas billiger gibt’s der Belgier Olivier Strelli auf der Av. Louise und in der Rue Dansaert.

 

Das größte Aquarien-Geschäft Europas

sollten Sie zumindest gesehen haben, auch wenn Sie sich nicht für Aquarien interessieren. Ein einmaliges Fisch-Erlebnis im New Brussels Aquariums ( 39, Bvd. Barthélémy, Mo-Sa 10-19).

 

 

 

KULTUR:

 

Comics, Comics, Comics

Belgier sind „ganz narrisch“ auf die bunten Bildergeschichten und haben ein eigenes Museum. 20, Rue des Sables (M:De Brouckère), tägl. 10-18 h, außer Mo.

 

Karl V. und sein unterirdischer Palast

sind ein echter Geheimtipp. Sie finden den erst seit 2000 zugänglichen Palast unter halb des Coudenberg Palace. 7, Place des Palais, tägl außer Mo 10 – 17. (M: Parc)

 

König Leopold II besaß den Kongo

Das machte ihm im 19.Jh. kurzzeitig zu einem der reichsten Männer der Welt. Masken, Skulpturen und Insekten aus dem Kongo sind im Museé Royal de l´Áfrique Centrale ausgestellt. 13, Chausée de Louvain ( Sa,So 10-18, sonst 10-17, Mo zu) im Vorort Tervuren. Nehmen Sie die Tram Nr. 44 von der Metrostation Montgomery und fahren Sie quer durch einen Wald zum Zentralafrika-Museum.

 

Jugendstil und Horta

gehören einfach zusammen. Horta war ein genialer Architekt. Überzeugen Sie sich davon im Musée Horta, seinem ehemaligen Haus (25, rue Américaine), von Di – So 14-17 h.

 

Nur zwei Wochen im Jahr

sind die Königlichen Gewächshäuser im Schloß Laeken für die Öffentlichkeit zugänglich. Ende April, Anfang Mai ziehen 100.000 Besucher durch die Glas-Stahl-Kuppeln und bewundern Kamelien, Dattelpalmen, Paradiesvogelblumen und tausende andere Pflanzen. Mein Tipp: Kommen Sie nachts. Da ist alles noch romantischer. Ave. du Parc Royal.Tel. 02/ 551 34 02 nur während der zwei Wochen.

 

 

ESSEN und TRINKEN:

 

Bitterschokolade

mit hohem Kakaoanteil ist eine Spezialität. Ich bevorzuge den mehrfachen Weltmeister Marcolini. Seine Spezialität: Bitterpralinen (Ganaches) mit den verschiedensten Geschmäckern z.B. Lavendel. 39, Grand Sablon oder 75, Av. Louise. Probieren Sie doch einmal 100 Gramm.

 

Waterzooi heißt der Fischeintopf

Zwei der zahlreichen Fischlokale möchte ich Ihnen vorstellen. Bij den Boer: 60, quai aux Brigues , Tel. 02/ 51 61 22  ( M: Bourse oder Ste-Catherine) mit altertümlicher Atmosphäre und riesigen Fischtopf und gleich in der Nähe Vismet : 23, Place Sainte-Catherine, Tel. 02/ 218 85 45. Moderner eingerichtet und ein dreigängiges Mittagsmenü um € 12.

 

Marcel Duchamp und Bobby Fischer

Der Weltklasse-Künstler und der Schachweltmeister. Der 12jährige Bobby schlug den 70jährigen Marcel im Jugendstil-Schach-Café Le Greenwich (7, rue de Chartreux, M:Bourse). Magritte spielte dort auch Schach.

 

 

 

150 Käse

offeriert Le Comptoir de Fromage auf Nr. 12, Rue Jean Stas. Offen ist von 10 – 22 Uhr, und das von Mo bis Sa.

 

Mich finden Sie

öfters im großen und lebendigen Cafe L´Ultime Atome in der rue St. Boniface Nr. 14 im Ixelles-Viertel. Vis-á-vis ist Campion, einer der besten Foto-Secondhand-Läden Europas (Nr.13).  

 

 

 

 


Frühling in Paris – Trend-Viertel Marais

27/11/2008

Frühling in Paris –

Streifzüge im Trend-Viertel Marais

 

Zwischen dem Centre Pompidou und der Bastille liegt das Marais, der historische Kern von Paris. Das Marais war seit dem Ende des 15. Jahrhunderts bis 1760 das Viertel des Hochadels. Dieser residierte in vornehmen Stadtresidenzen, den “Hôtels particuliers”. Henri IV. hatte die Idee zum ersten Königsplatz Europas, den unvergleichlich schönen “Place des Vosges”.  Als der Adel ging, folgte ein langer Niedergang. Erst in den letzten Jahrzehnten wurde das historische Viertel renoviert und ist jetzt eine begehrte Adresse. Die Immobilienpreise sind astronomisch – aber gilt das nicht für ganz Paris? Das bunte, kosmopolitische Trend-Viertel ist voll von vibrierendem Leben in Szene-Shops, Boutiquen, Galerien, Weinbars, kleinen Restaurants. Es hat sich gleichzeitig seine stillen, abgewohnten Ecken bewahrt. Im alten, immer wieder neuen Marais ist dennoch Tag und Nacht was los.

 

Von Mozart bis Morrison

Die Klassik-Ikone und die Pop-Ikone. Der Sänger der Doors wohnte im letzten Jahr seines Lebens in der Rue Beautreillis 17 (bei der Rue St. Antoine), das muss so 1970 oder 1971 gewesen sein. 1763 war unser Wolfgang Amadeus im Hôtel de Beauvais untergebracht, einem der prächtigen Stadtpalais (68, Rue Francois Miron). In dieser Straße befinden sich einige der ältesten Häuser von Paris, z.B. auf den Nummern 44 und 46 oder 11 und 13. Die Rue Francois Miron hat eine ganze Reihe von Weinhandlungen z.B. die „Caves du Marais” (auf Nr. 62 und 64) und eine enge, noch den kleinsten Platz ausnützende Gewürzhandlung namens Izrael auf der Nr. 30. Sie wird bei Kennern geschätzt. An der von Napoleon geplanten, 3 km langen Prachtstraße Rue Rivoli liegt die etwas ramponiert wirkende “La Tartine”.(24, Rue de Rivoli). Braunrote Wände, fleckige Spiegel, ein Brassai-Paris, das man vergangen glaubte. Eine typische Weinbar.

 

Weinbars und Gurkensandwich

Die rue du Bourg-Tibourg gehört zu den farbigsten des Marais. Sie ist Szenegegend. Am Ende der Straße findet sich das im Kolonialstil ausgestattete „Mariage Frères”, die zauberhafteste Teehandlung der Stadt, 1854 gegründet (Nr. 30, Tel. 01.42.72.28.11). Es gibt eine große Auswahl an schwarzen und grünen Tees, Teekannen, Teetassen. Mittags kann man in intimer Atmosphäre Kleinigkeiten zu sich nehmen. Gurkensandwich, japanischer Kukichka-Tee und danach ein leckeres Törtchen. Now for a change: Ganz anders die Weinbar „Le Coude Fou” auf Nr.12. Bunte, naive Wandmalereien, Holztische, einfaches Essen. Schräg vis a vis, auf einem Platz an der Rue Rivoli, liegt auf Nr. 3 „Le Fou d´en Face”. An die 120 Weine ohne Weinkarte. An den Wänden hängen schwarze Schiefertafeln mit den Weinpreisen. Orientierung ist gefragt, besonders zu späterer Stunde, denn es kann leicht morgens werden.

 

Die Rue des Rosiers

ist das Herz des jüdischen Viertels im Marais. Seit über 700 Jahren leben Juden im Viertel. Geschäfte, Café und Restaurants vermitteln ein osteuropäisch-nordafrikanisches Flair. Apfelstrudel und Falafel. Bei „Jo Goldenberg” (Auf Nr. 7,  tägl. 11 h – Mitternacht, Tel. 01.48.87.20.16), vollgestopft mit Ölgemälden, gibt´s gefüllten Karpfen, Borscht, Blinis, Zakouskis. Entdecken Sie das „Hammam Cafe” (Nr. 4). Falafel kauft man durchs Fenster „Chez Marianne” (2, rue des Hospitalieres-St.Gervais).

 

Die Adelspaläste, die Stadtresidenzen

sollte man sich nicht entgehen lassen. Sie sind mit ihren Parks und Gärten Beispiele für gelungene Restaurierung. Lebendige Verbindungen von Kunst und Geschichte. Nehmen wir das Hôtel Salé (5, rue de Thorigny), in dem das Picasso-Museum (tgl. außer Di von 9.30 – 18h) untergebracht ist. Von einer tristen Wohngegend kommt man in eine der schönsten Pariser Kunstsammlungen. Gemälde, Keramik und Skulpturen in zwanzig lichten Sälen – und meist ohne die üblichen endlosen Warteschlangen vor Pariser Museen. Oder das Hôtel le Pelletier de Saint-Fargeau (23, rue de Sévigné) beherbergt nun das Museé Carnavalet  (tägl. Außer Mo von 10 – 17.40h), das Pariser Stadtmuseum, das immer wieder Top-Ausstellungen zeigt. Oder das Hôtel de Sully (62, rue St.-Antoine), das aufgrund alter Pläne und Stiche hergerichtet wurde und neben dem Denkmalschutzamt dem Patrimoine Photographique ( Di-So 10-18.30h, www.patrimoine-photo.org) Raum gibt, das das Erbe großer Fotografen wie André Kertész pflegt.

 

Atget

Vorname: Eugene, war ein großer Fotograf der Stadt, der mit seiner 18×24 Großformatkamera den Wandel der alten Stadtviertel wie des Marais in tausenden Bildern dokumentierte. Star-Fotografen wie Brassai, Cartier-Bresson oder Doisneau. Paris ist noch immer die Fotografie-Hauptstadt Europas und das Marais ist das inoffizielle Zentrum. Das Europahaus der Fotografie , das „Maison Européenne de la Photographie” (82, rue Francois Miron, Di-So 11-20h, www.mep-fr.org) präsentiert wichtige Ausstellungen, hat eine gute Foto-Buchhandlung, ein Café und eine Präsenzbibliothek mit wahren Schätzen. Nach wenigen Minuten hält man die rarsten Fotobücher in Händen. Die sonst nicht verkäuflichen Fotokataloge der Pariser Modeschauen erhält man im „Comptoir de l´Image” (44, rue de Sévigné), einem Laden, vollgestopft mit Fotokunstbänden. Das Marais ist eindeutig auch ein Kunstgalerien-Viertel. Samstag-Nachmittag ist Wir-gehen-Galerien-besuchen-Zeit. Geballt finden sie sich in der rue Vielle du Temple – benannt nach den Tempel-Rittern, die hier einst ihr Hauptquartier hatten – z.B. Yvon Lambert auf Nr. 108 oder in der rue Debelleyme den Salzburger Star-Galeristen Thaddaeus Ropac auf Nr. 7 und gleich daneben Karsten Grève.

 

Bofinger und Bastille

Am „Place des Vosges” , einem quadratischen, von 36 Adelspalästen umgebenen Platz wohnte Victor Hugo (Nr.6), Catherine Deneuve wohnt auf Nr. ?  Abendessen empfielt sich in der 1864 vom Elsässer Frederik Bofinger gegründeten ersten Brasserie in Paris. Brasserien sind die Großausgaben eines Bistros, Bofinger gilt noch immer als die schönste. Laut Feinschmecker-Papst Siebeck “ein Wahrzeichen für die populäre Gastronomie, wie es der Louvre für die populäre Kunst ist”. Reservieren Sie unter der Jugendstil-Glaskuppel auf Nr. 5. (5 und 7 Rue de la Bastille, Tel. 01.42.72.87.82, täglich geöffnet: 12-15h, 18.30 – 1h)  Danach vielleicht noch zum Port de l´Arsenal, dem kleinen Stadthafen mit seinen Hausbooten direkt unter der Metro-Station Bastille. Und dann ins Bastille-Viertel eintauchen, mit seinen unzähligen chicen Lokalen, aber das ist eine andere Geschichte.

 


 


Côte d´ Azur: Wie aus Sand und Promis Gold gemacht wird

27/11/2008

Côte d´ Azur

Wie aus Sand und Promis Gold gemacht wird

Es war einmal ein Ethnologe namens de Colmont. Er lebte in St. Tropez. 1950 machte er eine kleine Erbschaft und investierte sie in ein wertloses Stück Strand. Darob folgten Jahre erbitterten Streites mit seiner Frau. Sein Sohn Patrice verwandelte den Sand in die Strand-Institution „Club 55“ (Route des Plages, Ramatuelle). In einem Halbrund im Schatten von Tamarisken versammelt de Colmont täglich 800 Möchtegern-Promis und echte Promis zum Mittagessen. Mittags ist von 14 bis 17 Uhr. Ohne Reservierung geht gar nix. (Tel. 0033-4-94555555). Das Auto wird von weißen Boys eingeparkt. Dicht beim Schilf. Brigitte Bardot und andere Weltstars machten St. Tropez zur Projektionsfläche sommerlicher Sehnsüchte. Heuer sollen Jack Nicholson und der Modemacher Jean-Paul Gaultier gesehen worden sein. Sommerluxus unter Tamarisken: Wasserdampf wird alle paar Sekunden zur Abkühlung versprüht. Gurken-Joghurt-Salat mit frischer Minze. Gegrillte Sardinen. Ein trockener Chablis. Eine Flasche Evian. Der Club 55 hat die Colmonts reich gemacht. Apropos Wasser. Schicke Boxershort-Badehosen aus schnelltrocknenden Stoffen wurden in St. Tropez in den 70igern erfunden. Vilebrequin heißt die Marke. 2003 trägt mann pastellfarbene Blumenmuster. Diese liegen dann auf den matelas (€ 17,–Tagesmiete) des „Club 55“. Der Sonnenschirm schützt die Haut um € 7,–. Auf dem azurblauen Wasser vor den Sandstreifen schaukeln weiße Motoryachten. „Cannes ist die Lieblingstochter der Sonne“, schrieb Stephen Liégeard, der Erfinder des Wortes „Cote d´ Azur“. In Cannes entlang der Croisette können die Privatstrände deutlich teurer sein. Das Meer ist die Bühne. Der erste Rang ist demnach am teuersten, in der 6. oder 7. wird´s dann schon leistbar. Im Majestic, dem Hotel der Film-Superstars, beläuft sich die Liege auf € 31,– und der Sonnenschirm auf € 10,–. Was trinkt man so am Strand? Die Kids eiskaltes Cola, die Dame ein Gläschen Rosé-Champagner von Teittinger im Sommerangebot um € 24,50 und der Herr 2-3 Flaschen eisgekühlten, leichten Rosé aus Bandol, z.B. Domaine de la Courtade, um € 30-35 die Flasche. Cannes hat sich dem Müßegang geweiht, in seiner sorglosen Mischung aus Jugend, Schönheit, Reichtum, Luxus und bulemiehaften Second Agern. Namen. Namen. Namen. Chanel! Dior! Gucci! Nobelboutiquen und Parfum. Tina Turner, Clint Eastwood, Kevin Costner, Michael Caine haben schon im „Les Agaves“ (4, Av. Maréchal Foch, Tel. 0033-4-93011312, nur abends) gegessen. Einem kleinen Lokal in Beaulieu östlich von Nizza. Ravioli mit Pilzen gefüllt in Trüffel-Creme. Filet du Boeuf mit Kapern und Anchovis. Creme brulée. Überhaupt sind ganz kleine Lokale groß in Mode. Der Starkoch Dominique le Stanc des Grand Hotels „Negresco“ in Nizza hat sich mit dem Bistro „La Mérenda“ (4, Rue de la Terasse) selbstständig gemacht. 24 Personen passen da rein. Kein Telefon. Keine Kreditkarten. Robert de Niro musste kürzlich zum Bankomaten, um sein Essen bezahlen zu können. Gebackene Zucchini. Linsen mit Landwurst. Erdbeeren. Die Konditorei Auer ist gleich ums Eck. Ebenso der Olivenölmacher Alziari (Rue St. Francoise-de-Paul). Kunst in Unmengen. Die azurblaue Küste hat mit 100 Museen nach Paris die höchste Kunstdichte Europas. Der malende Picasso in Antibes in der Grimaldiburg am Wasser. Der töpfernde Picasso in Vallauris. Seine Skulptur „Mann mit Schaf“ dient am Markt als Stütze für ein Standl. Der alternde Picasso in Mougins in den Bergen oberhalb von Antibes. Dort ist er 1973 gestorben. Matisse und Dufy in Nizza. Léger in Biot. Nietzsche schrieb seinen „Zarathustra“ in Nizza und Ezé, Brecht „Die 3 Groschenoper“ in le Lavandou und St. Cyr. Graham Greene hatte lange seinen Wohnsitz in Nizza und wetterte gegen den mafiosen Bürgermeister Medecin, der nach Rio flüchtete. Der englischer Schriftsteller Somerset Maugham sagte einmal: „Die Cote d´ Azur ist eine sonnige Gegend für zwielichtige Leute“ und lebte in der „Villa Mauresque“ in St. Jean Cap Ferrat. Neben Cap Martin eine der nobleren Nobelgegenden. Die ganze Halbinsel Cap Ferrat hat einmal König Leopold II von Belgien gehört. Er konnte sich dies leisten, denn er besaß auch den ganzen Kongo. Er lebte in Cap Ferrat mit seinen drei Mätressen und seinem Hauspriester. Selbstverständlich hatte jeder von ihnen seine eigene Villa. Maugham kaufte später die Villa des Hauspriesters. König Leopold II war sehr sportlich. Beim Schwimmen schütze er seinen Bart mit einer Gummimanschette. Unser Kaiser Franz Josef machte mit seiner Sissi in Cap Martin bei Menton Urlaub und traf Queen Victoria. Heute fliegt der gewöhnliche Österreicher in 1 Stunde und 20 Minuten von Nizza nach Österreich.


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